Savoir-vivre


   
Eine gute Cigarre schließt die Tür vor den Gemeinheiten des Lebens", meinte einst Franz Liszt und "auch der sinnloseste und unglückseligste Tag scheint am Ende gut verbracht, wenn man durch den blauen, wohlriechenden Rauch einer Havanna auf ihn zurückschaut." wusste Evelyn Waugh zu berichten.
Was haben diese Zitate gemeinsam?
Zeugen sie nur von der Hingabe bekannter Persönlichkeiten zum Genuss, respektive zur Cigarre? Hat der Genuss einer Cigarre nicht auch mit Savoir-vivre zu tun wie Zino Davidoff es einst treffend bemerkte?
Ja natürlich hat er das. Sehr sogar. Der bewusste Genuss, ja, die wahre Transzendenz mit einer guten Cigarre hat auch in meinen Augen mit Lebensstil zu tun. Der werte Leser wird mir da vermutlich Recht geben.
Was ich mich gerade frage, um kurz nach 2:30 Uhr nachts, das fünfte Klavierkonzert von Beethoven im Hintergrund, ein gutes Glas 18-jährigen schottischen Single Malt Whisky in der einen Hand und eine gut gelagerte Havanna in der anderen, also was ich mich gerade frage, wo hört der Lebensstil auf und wo fängt der Snobismus an?
Werfen wir doch mal einen Blick in die Magazine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über Cigarren beziehungsweise das Genussrauchen im allgemeinen und Lebensart im besonderen dem geneigten Leser zu berichten. Wir treffen hier auf Porträts von Personen aus dem öffentlichen Leben, die mehr oder minder dafür bekannt sind, dass sie gern eine Cigarre oder Pfeife rauchen. Und weiter? Sie spielen Golf, lieben ihre Sportwagen, lagern seltene, alte Weine in ihren Kellern und wissen das Leben zwischen Mailand und New York zu geniessen.

Soweit so gut. Wer auf der Sonnenseite des Lebens steht, soll es doch auch genießen dürfen. Oder? Manchmal sind die Personen des öffentlichen Lebens so bekannt, da ist der Leser schier erstaunt zu erfahren, dass auch diese Dame sich dem Genuss einer schönen Cigarre hingibt und das gar im Monat ihrer Niederkunft! Wieso nur war das bisher nicht bekannt? Oder haben wir da doch etwas falsch verstanden?
Was aber will man uns nun damit sagen? Ist eine Cigarre vielleicht doch nicht einfach nur Cigarre, wie Freud konstatierte? Ist mein Sexleben besser, wenn ich Havannas rauche? Und gehört es sich nicht als erfolgreicher Geschäftsmann, immer einen prall gefüllten Humidor auf dem Schreibtisch stehen zu haben? Ja wie? Du rauchst Havannas und bist kein erfolgreicher Geschäftsmann, Schauspieler, Makler? Wie denn das? Umgekehrt verläuft das Spiel in ähnlichen Bahnen.
Nun ist der potentielle Leser ja auch selber schuld, er verlangt ja schließlich danach, er will ja teilhaben an dieser Welt und wenn es auch nur die Cigarre ist, die er mit ihr teilt.
So jagen denn wir armen Geschöpfe wie Søren Kierkegaard, der bekannte Philosoph und Theologe mal sagte dem Genuss hinterher und hoffen so, wenigstens einige Sonnenstrahlen der Grossen und Mächtigen auch auf unserem Antlitz zum Leuchten zu bringen, indem wir eine Havanna entzünden. Das mir nur keiner vorbeiläuft.
 
Dieser Text wurde uns von unserem Freund Markus Kukla freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Da er zu dieser Internetseite passt, haben wir uns entschieden, ihn hier zu veröffentlichen. Originalquelle ist das cigarren-portal